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Im April 1999 entschieden wir uns eine Reise nach Nordafrika zu tätigen. Die Flugzeit München - Monastir betrug rund 2 1/2 Stunden, und so erreichten wir noch am Vormittag
tunesischen Boden. Nachdem wir unser Gepäck geholt haben, lotsten uns die Damen vom Reiseveranstalter zu den Bussen, die die Touristen in die einzelnen Reiseorte weiterbeförderten.
Andere Länder, andere Busfahrer
Unser Busfahrer nach Hammamet hieß Mohamet, und wäre wohl - mit Verlaub - der Alptraum eines jeden deutschen Busfahrerunternehmens in Sachen Service und Engagement. Da wir
die ersten Touristen beim Bus waren, durften wir Mohamet 15 Minuten in brütender Hitze zuschauen, wie er sich genüsslich im klimatisierten Bus die lokale Boulevardpresse zu
Gemüte fuhr. Erst als mittlerweile ein Auflauf von Touristen ungeduldig vor dem Bus stand, entschied er sich gnädigerweise die Türen zu öffnen, damit man mehr oder weniger
schweißgebadet sein Gepäck einlagern und im Bus Platz nehmen konnte. Danke Mohamet! Die Damen vom Reiseveranstalter kamen dann auch bald, und der Bus konnte sich nun von
Monastir nach Hammamet in Bewegung setzen. Es wurde ein kleine Wilkommensrede im Bus seitens des Reiseveranstalters gehalten, und die Touristen mit einigen allgemeinen
Informationen gefüttert. So durfte man erfahren, dass einem die Tunesische Regierung aufgrund der Zeitverschiebung eine Stunde schenken würde, was natürlich eine
Milchmädchenrechnung ist, da die "geschenkte Stunde" bei der Rückreise wieder verpufft. Außerdem wurde man mit einigen Gepflogenheiten des Landes kurz vertraut gemacht.
Mohamet fuhr die einzelnen Hotels der Urlaubsgäste ab, nuschelte den Namen des Hotels in das Mikrophon, lud brav die Koffer aus, und zeigte sich von seiner Schokoladenseite solange
die Damen vom Reiseveranstalter im Bus anwesend waren. "La Rschidonsche Hammermaat" tönte Mohamet durchs Mikro, und ehe wir uns versahen fügte
er noch den Zusatz "Schnell! Hauptverkehrsstraße!" hinzu. War Mohamet in den vergangen Stunden eher ein ruhiger und gemächlicher Zeitgenosse, so entpuppte er sich plötzlich als
Stressbündel mit Hetzgebärden. Ein Blick durchs Fenster auf das Schild gab uns Gewissheit, dass wir an unserem Hotel »La Residence Hammamet« angekommen sind und stürzten durch
den ganzen Bus nach vorne, um auszusteigen. Schnell vorne noch etwas Trinkgeld in seinen Topf schmeißen, Koffer in Empfang nehmen, und bye bye Mohamet....- aber denkste!
Mohamet lies es sich natürlich nicht nehmen ausführlich über die in seinen Augen zu geringe Trinkgeldmenge zu monieren, und im Angesichte der "Hauptverkehrsstraße" langsam und widerwillig unsere Koffer rauszukramen.
La Residence Hammamet
In unserem Hotel wurden wir freundlich vom
Hotelmanager mit einem Tee im angenehm kühl temperierten Foyer empfangen. Das Hotel besitzt 3 Sterne, war nur einen Katzensprung von der Ortsmitte entfernt (~150 m), und unsere 30 m² Unterkunft war
ordentlich und sauber. Angenehm war insbesondere die separate Kochnische in unserem Zimmer, so dass man sich gegebenenfalls auch selbst verpflegen konnte. Positiv auch der tägliche Zimmerservice, der sogar das
benutzte Geschirr abspülte, regelmäßig die Handtücher wechselte, die Betten machte, und im Übereifer unsere Pfandflaschen entsorgte. In der Hotelanlage selber befand sich auf der
Dachterrasse ein Swimmingpool mit Sonnenliegen, ein Frühstücksraum mit angeschlossenen Bistro, ein Abendessensraum, Konferenzräume, eine kleine Bar, und ein Satelliten-TV-Raum, mit dem man deutsche
Programme empfangen konnte. Da der TV-Raum abends so gut wie nie besetzt war, konnte man sich die Miete eines zimmereigenen TV getrost sparen.
Außerdem gab es noch eine hoteleigene Ramsch-Boutique mit allerlei Touristen-Kitsch, und einen hoteleigenen Lebensmittelladen, der allerdings solche Wucherpreise verlangte, dass man kaum einen Kaufreiz verspürte.
Da wir Halbpension gebucht hatten, kamen wir in den Genuss der "landestypischen Küche"- sprich: Pommes Fritten mit irgendwas. Die Auswahl der Hauptspeise beschränkte sich auf
Pommes mit Fisch, Pommes mit Fleisch, Pommes mit Hackfleischbällchen (in denen noch halbe Tiere- bzw. Knorpel und sonstige undefinierbare Leckerlis eingearbeitet wurden),
Pommes mit Geflügel usw. Dafür war das Dessertbuffet reichhaltiger und die Vorspeisen (meist Suppen) waren auch in Ordnung. Einmal pro Woche bot das Hotel eine Art Special an,
wobei rote Lampen und Bauchtänzerinnen für eine Art Puffatmosphäre beim Abendessen sorgten. Na dann, Guten Appetit! Zum Frühstück begab man sich in das anliegende Bistro, wo das Buffet zwar nicht zu den
reichhaltigsten gehörte, aber bestehend aus Lyonerschnitten, Käsescheiben, Butter, zweierlei Salate, Eier, Brötchen, Kaffe und zweier Fruchtsäfte akzeptabel ist.
Touristenhochburg Hammamet
Nachdem wir unsere Zimmer bezogen und uns ein bisschen von der Anreise erholten, beschlossen wir ein bisschen durch den Ort zu schlendern, um einen ersten Eindruck zu
erlangen. Das Örtchen ist nicht sonderlich groß- es reihen sich im Zentrum viele kleine Cafes und Bars vor allem an Hotels und Restaurants, was im Angesichte das der Ort Hammamet
eine Touristenhochburg darstellt, nicht weiter verwunderlich ist. Wir beschlossen essen zu gehen, und kehrten in ein etwas Abseits vom Zentrum an der
Hauptstrasse gelegenes Restaurant ein. Reger Betrieb herrschte dort nicht- außer uns waren nur zwei weitere Gäste und eine Horde von Katzen, die im ganzen Ort herumstreunten,
zugegen. In dem Brunnen, der in der Mitte des Restaurants befand, lagen Unmengen von Limonen, die als recht typische Früchte dieser Region gelten. Der Kellner kam und empfahl
uns heftig gestikulierend das Tagesgericht, welches er mit einen exorbitanten Teller voll Fisch, viel Kartoffeln und noch mehr Salat anpries. Wir lehnten dankend ab, und bestellten ein
Fleischgericht von der Karte- nicht zuletzt da es preiswerter als das Tagesgericht war. Aber wir hatten die Rechnung ohne die "Fürsorglichkeit" unseres Kellners gemacht, der unsere
Bestellung schlicht ignorierte, und uns einfach dreist einige Zeit später sein Tagesmenü mit dem Fisch servierte. Auch war er offensichtlich um unsere Figur besorgt, da sich der
riesengroße Teller, wie er ihn zuvor lobpreiste, zu einem doch recht dürftigen Ausmaß reduzierte. Während er servierte, erlitt der arme Kerl zu allem Übel augenscheinlich einen
akuten Anfall von Amnesie, denn sein deutschsprachiges Sprachzentrum fiel schlagartig aus und lächelte uns lediglich halbsenil an. Die herumstreunenden Katzen, die prompt auf unseren
Esstisch sprangen und auch was vom Fisch abhaben wollten, rundeten dieses Essen zu einem ganz besonders kulinarischen Erlebnis ab. Um diese Erfahrung reicher, entschlossen wir uns anschließend den örtlichen Supermarkt
vorsorglich einen Besuch abzustatten. Die dortige Angebotspalette differenzierte sich allerdings insofern zu der hiesigen, als das es dort keinerlei Frischwaren zu erwerben gab.
Frischkäse- oder Wurst (leider konnten wir keinen Metzger dort ausfindig machen) sucht man somit in dem einzigen Supermarkt des Dorfes vergebens. Angeschlossen daran war eine
kleine Spirituosenabteilung, wo es allerdings im wesentlichen nur diverse Weine und Bier zu ersteigern gab.
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